Erfolgreich in die Zukunft

Kleine und mittelständische Fleischereien stehen vor herausfordernden Zeiten: Preisdruck durch Discounter und Supermärkte, sinkender Fleischkonsum und mangelnder Fleischer-Nachwuchs sind zentrale Entwicklungen, mit denen sich das Handwerk auseinandersetzen muss.

Doch der Trend zu authentischer Nahrung bietet auch Chancen. Denn statt abgepackter „Massenware“ wünschen sich immer mehr Verbraucher Handwerksqualität, eine persönliche und kompetente Beratung sowie Klarheit, wenn es um die Herkunft und Haltungsbedingungen der Schlachttiere geht. Hier hat das Handwerk eindeutig einen Trumpf in der Hand – wenn es versteht, diese Vorteile gekonnt zu vermarkten.

Das Seminar „Mit Vertrauen in die Zukunft“ mit dem Motivationstrainer Sven Tholius hat zum Ziel, Fleischereien für die Zukunft zu rüsten und wettbewerbsfähig zu machen. Der Fokus liegt dabei vor allem auf der Teamentwicklung. „Erfahrungsgemäß sind es selten die großen Stellschrauben, an denen gedreht werden muss. Viel wichtiger ist es, an den vielen Kleinigkeiten zu arbeiten, die sich über die Jahre in den Alltag eingeschlichen haben und die man meist ohne viel Aufwand besser machen kann“, erklärt Tholius.

 

Startpunkt: Ist-Analyse

Das Seminar umfasst verschiedene Module über zwei Jahre hinweg. Zu Beginn analysieren die Mitarbeiter die Ist-Situation. Typische Fragen sind: Wo liegen unsere Stärken – wo unsere Schwächen? Warum ist das so? Was könnte besser laufen und was können wir dafür tun? Ein zentraler Bestandteil ist für Sven Tholius herauszufinden, wie das Team zusammengesetzt ist und wie es bisher arbeitet. Wichtig ist auch, inwieweit die Mitglieder offen gegenüber Veränderungen sind. Denn oft geht es nicht nur darum, Bestehendes zu optimieren, sondern auch die Zusammenarbeit neu zu strukturieren. Im Team wird nach Schwachstellen geforscht, Probleme werden benannt und nach den Ursachen gesucht. Auf dieser Basis wird ein gemeinsames Ziel definiert: Der Soll-Zustand wird sehr konkret beschrieben, so dass diese Ziele messbar sind und nicht vage bleiben.

Dann wird das Kreativ-Team gebildet, das aus Produktions- und Verkaufsmitarbeitern sowie mindestens einer Person aus der Geschäftsführung besteht. Der rote Faden, der sich durch das Seminar zieht, sind die Themen Vertrauen und Transparenz. Beides sind wichtige Aspekte, um die Kommunikationskultur zu stärken – denn oft entstehen Unzufriedenheit und Missverständnisse aus ganz nichtigen Anlässen und unzureichendem „Miteinander reden“.

 

Gemeinsam kreativ werden

Ein weiterer Schwerpunkt liegt darauf, das kreative Potenzial im Unternehmen zu fördern. Mit der gemeinschaftlichen Entwicklung neuer Produkte wie beispielsweise saisonale Spezialitäten soll nicht nur frischer Wind in die Theke kommen – es geht auch darum, sich von anderen Anbietern und vor allem von den großen Märkten zu differenzieren. Dabei muss das Rad nicht immer neu erfunden werden. Oft lassen sich auch aus bestehenden Rezepturen ganz leicht neue Produkte herstellen. Aber die Rezeptur ist nicht alles: Mitarbeiter müssen außerdem Preise kalkulieren und eine Marketingstrategie erarbeiten: Verkaufsargumente gehören genauso dazu wie appetitliche Beispielfotos und vielleicht auch ungewöhnliche Werbemaßnahmen.

Wichtig ist dabei, dass das gesamte Team einbezogen wird: In gemeinsamen Meetings präsentiert das Kreativ-Team der ganzen Belegschaft die Ergebnisse. Im Rahmen dieser Besprechungen wird dann die genaue Vorgehensweise besprochen und gegebenenfalls angepasst. Auch bei diesen Meetings ist Vertrauen eine zentrale Voraussetzung: Die Präsentierenden benötigen eine gute Portion Selbstvertrauen, um die Ergebnisse in einer großen Runde zu zeigen. Aber auch für alle anderen ist es wichtig, neue Vorschläge und Inspirationen ohne falsche Angst einzubringen. Eine Atmosphäre des Vertrauens gibt jedem einzelnen die Sicherheit, dass es kein „Richtig oder Falsch, Gut oder Schlecht“ gibt, sondern dass alle Vorschläge willkommen und diskussionswürdig sind.

Im Rahmen des Seminars vermittelt Sven Tholius dem Kreativ-Team außerdem Methoden, wie die eigenen Kollegen am besten geschult werden können. Denn das Wissensspektrum ist umfassend und vielfältig: Nährwertprofil der Fleisch- und Wurstwaren, Zusatzstoffe, Allergene, neueste Qualitäts- und Hygienebestimmungen, Zubereitungsmethoden, Trends – das alles sind Aspekte, bei denen das gesamte Team auf dem aktuellen Stand sein muss.

Ein wichtiger Lerninhalt der Seminare ist, Aufgaben zu delegieren und Konflikte zu lösen. Denn im Laufe Zeit werden Konflikte erfahrungsgemäß nicht ausbleiben. Für alle Aufgaben, die im Rahmen des Seminars anstehen, wendet Sven Tholius etablierte Coachingmethoden an. Ob Workshops, Interaktionsaufgaben oder Outdoor-Training – die Methode wird an die individuelle Situation angepasst. „Der Ablauf ist keinesfalls mühelos, sondern erfordert intensive Arbeit. Trotzdem kommt der Spaß nicht zu kurz und es motiviert die Mitarbeiter, dass sie etwas bewegen können. Unternehmen gehen gestärkt aus der Maßnahme hervor – Prozesse laufen effizienter, es herrscht eine bessere Kommunikationskultur und das Zusammengehörigkeitsgefühl der Belegschaft ist besser. Das ist auch für mich jedes Mal eine tolle Erfahrung“, resümiert Tholius.

 

Erfolgreiche Nachwuchsförderung

Betriebe haben zunehmend Probleme, ihre Ausbildungsstellen mit geeigneten Bewerbern zu besetzen. Während Handwerksberufe allgemein bei den Schulabgängern nicht mehr hoch im Kurs stehen, ist vor allem im Lebensmittelhandwerk der Rückgang besonders stark. Mit der Imagekampagne „Anders als Du denkst“ will der Deutsche Fleischerverband dieser Entwicklung entgegensteuern. Durch Transparenz sollen Vorurteile ausgeräumt werden: So berichten jetzige Auszubildende in kurzen Videobeiträgen aus ihrem Berufsalltag. Darüber hinaus hat der Verband eine moderne Internetpräsenz geschaffen und einen professionellen Imagefilm gedreht.

Um die Kampagne auch innerhalb der Fleischer-Zunft bekannter und präsenter zu machen, hat Sven Tholius das Motto „Anders als Du denkst“ in dem Workshop ‚Denk Anders!‘ aufgegriffen, der in Zusammenarbeit mit den baden-württembergischen Handwerkskammern Tübingen, Reutlingen und Zollernalb durchgeführt wurde. In dessen Rahmen haben Führungskräfte und Auszubildende gemeinsam Strategien entwickelt, um die Ausbildungsberufe Fleischer/in und Fleischerei-Fachverkäufer/in attraktiv zu positionieren. „Ich bin begeistert vom Imagefilm zu ‚Anders als Du denkst‘. Deshalb diente dieser als Arbeitsgrundlage“, so Tholius. Die Veranstaltung brachte viele neue Ideen, Inspiration und Strategien hervor. Das Feedback der Teilnehmer nach dem zweitätigen Workshop war rundum positiv. Besonders wertvoll war, die Erfahrung der Führungskräfte einerseits sowie die Einstellungen und Ideen der Auszubildenden andererseits zusammenzubringen. Das Ergebnis sind viele neue Ideen und Inspirationen, um das Handwerk voranzubringen. Und die wichtige Erkenntnis, dass jeder dazu beitragen kann, das Image des Berufs zu verbessern und dies nicht ausschließlich Verbandsarbeit ist. O-Töne der Teilnehmer sind: „Den Imagefilm würde ich gerne im Geschäft zeigen. Das habe ich bereits meinem Chef vorgeschlagen.“ „Den Film und die gesammelten Argumente werde ich demnächst auf einer Bildungsmesse Haupt- und Realschülern präsentieren. Und ich würde gerne einen bundesweiten Azubi-Austausch organisieren“.

Ein Image krempelt man natürlich nicht von heute auf morgen um, aber die Branche ist auf einem guten Weg. Sven Tholius ist bereit für viele neue Projekte dieser Art und freut sich über die Zusammenarbeit mit anderen Handwerkskammern.